French Musicals

Autant en emporte le vent

Vom Winde verweht 

Originaltitel des französischen Musicals:
Autant en emporte le vent“

Warum entstand ein Musical aus dem Roman?

Die Geschichte der Scarlett O’Hara und des Rhett Butler ist nie veraltet und wird niemals veraltet sein. Das Liebespaar aus „Vom Winde verweht“, dessen Geschichte, das Buch sowie der Film sind zu einer weltbekannten Legende geworden; für einige Menschen ein Vorbild, für Andere sogar eine wahre Leidenschaft und für die Jüngsten eine zauberhafte Entdeckung.

Viele Dinge wurden vereint, um ein außergewöhnliches musikalisches Spektakel zu erschaffen…

Autant en emporte le vent

Autant en emporte le vent Musical

Legendäre Persönlichkeiten

Eine ewige Liebesgeschichte

Leidenschaftliche Gefühle

Der Traum von Romantik

Politischer und sozialer Inhalt der das Leben Aller betrifft

Nach dem unglaublichem Erfolg von seinem Musical “Roméo & Juliette” gelang dem französischen Komponisten Gerard Presgurvic ein weiteres Highlight der französischen Musical-Geschichte. Diesmal orientiert er sich am Klassiker der Filmgeschichte „Vom Winde verweht“, nach dem weltberühmten Bestseller von Margaret Mitchell “Autant En Emporte Le Vent”. Das Musicallogo zeigt die Silhouette eines Liebespaares vorm Sonnenuntergang und deutet somit unverwechselbar auf den mit 9 Oscars ausgezeichneten Film “Vom Winde verweht” von 1939 mit Vivien Leigh und Clark Gable hin.

Die französische Fassung ist bereits nach einer relativ schnell in der Versenkung verschwundenen Version der zweite Versuch, den komplexen Stoff des Liebesmelodrams vor dem Hintergrund des amerikanischen Bürgerkrieges von der Leinwand auf die Musicalbühne zu transferieren – doch soviel sei schon jetzt verraten: dem talentierten Franzosen ist ein schmissiges Franko-Pop Musical gelungen, dass sich musikalisch stark am Vorgänger “Romeo & Juliette” orientiert.

Gerard Presgurvic stand vor der Herausforderung, den monumentalen vierstündigen Kinoklassiker auf bühnenpassable 2 1/4 Stunden zu kürzen ohne dabei die dramatische Handlung, die jeder Cineast bis ins kleinste Detail kennt, in ein schmalzig-schwüles Liebesdrama ohne Hintergrundhandlung abgleiten zu lassen – wobei es sicherlich auch schwer sein wird, auf der Bühne das brennende Atlanta nachzustellen. Den Drahtseilakt zwischen anspruchsvollem Meisterwerk und belangloser Liebesschnulze meistert Presgurvic in der Hervorhebung der Sklavenunterdrückung der Südstaaten, die schliesslich auch den Bürgerkrieg auslösten. Und so erschallen nach einer stimmungsvollen Einleitung im gesprochenen “Intro” auch gleich im ersten Song “Le Bien contre le Mal” der imposante Skavenchor, der den Konflikt zwischen Nord und Süd charakterisiert.

Alle Songs, die das Skavenproblem thematisieren, sind vom Songaufbau besonders dramatisch und stimmungsvoll. In “Etre Noir” beeindruckt Dominique Magloire mit ihrer rassigen Soulstimme als Mama im Duett mit dem Skavenaufseher Joel O´Cangha, dessen uptempo Solonummer “Tous Les Hommes” mit dem einsetzenden Chor bereits als Single-Auskopplung (neben der tanzbaren Originalversion auch mit epischer Chorversion ohne unterlegtem Schlagzeug-Rhythmus und der Instrumentalfassung) die französischen Hitparaden zurecht als hämmernder Ohrwurm stürmte und das wahre Thema des Musicals ist.
Natürlich gibt es noch das instrumentale “Vom Winde verweht”-Thema, welches als säuselnde Pianoversion auch Einzug in die Ballade von Scarletts Vater “Ma terre” hielt und somit das Tara-Thema der Baumwollplantage im Süden symbolisiert.

Den Rest des Musicals machen harmonische Balladen und Duette von Scarlett, Rhett, Ashley und Melanie aus, die allesamt im bewegenden und modernen Franko-Pop-Stil von unerwiderter Liebe erzählen und trotzdem nicht zu schmalzig an mögliche “Grand Prix De Eurovision De La Chanson”-Beiträge erinnern. Viele Titel entwickeln sich auch überraschenderweise zum Ende hin plötzlich von der Solo-Ballade zum Duett oder zur gepflegten Chor-Nummer. Und selbst ein Schifferklavier hält bei “Putain” Einzug, welches man eher bei einem Edith Piaf-Titel als in einem Südstaaten-Werk erwarten würde.

Alle Hauptdarsteller können dabei für sich einnehmen: das geflüsterte “Scarlett” von Cyril Niccolai erzählt schmeichelnd von der aufkeimenden Liebe des Ashlay Wilkes für Scarlett, das “Si le vent m`emporte” von Sandra Leane als Melanie Hamilton ist eine überzeugende Ballade, ähnlich dem schönen “Elle” von Rhett Butler alias Vincent Niclot.
Die Besetzung der Scarlett mit Presgurvics Tochter Laura erscheint auf den ersten Blick wie Vetternwirtschaft, doch ist Lauras Stimme im Duett beim Liebestehema “Libres” mit Rhett wirklich bezaubernd, wenn ihr auch bis zuletzt das gewisse Etwas an zickiger Überlegenheit und Stolz, das eine Scarlett O´Hara auszeichnen sollte, einfach komplett fehlt (ihre Stimme ist für gewaltige Zornesausbrüche wie in “Nous n´sommes pas” einfach zu “nett” und wirkt eher zerbrechlich und einen Tick zu jung).

Fazit: Gefühlvolle Umsetzung des Melodramas in rhythmischem Franko-Pop mit einigen Ohrwürmern, die man gerne immer wieder hört.