French Musicals

Musicalfieber in Frankreich

Ein Jahrzehnt des Erfolges für französische Musicals und das Genre Musical international

Die größten Erfolge der letzten 10 Jahre französisches Musical

Im Jahre 1998 startet das phänomenale Musical Notre Dame de Paris (Der Glöckner von Notre Dame) auf den Theaterbühnen Frankreichs und erlangt unerwartet großen Zuspruch. Notre Dame de Paris öffnet damit die Türen für eine große Serie erfolgreicher Musicalproduktionen und löst ein sich weit verbreitendes Musicalfieber bei Jung und Alt in ganz Frankreich aus. Ab dem Jahr 2000 folgen Produktionen wie Roméo et Juliette, Les Dix Commandements und Ali Baba und sind kaum weniger erfolgreich.

Das Erfolgsrezept ist dabei immer ähnlich: eine bereits bekannte Geschichte wird als Grundlage genutzt, unter die Haut gehende Chansons und Musicalmelodien werden passend zur Geschichte komponiert und im Radio abgespielt, die Werbetrommeln werden bereits einige Monate vor Beginn der Vorstellungen gerührt, um die Musicalfans für die neuen Produktionen zu begeistern und die Melodien in ganz Frankreich zu verbreiten (meist wochenlang in den französischen Charts) und natürlich werden riesengroße Konzerthallen genutzt, in denen die Bühnenproduktion schließlich Ihre Aufführungen durchführt und Tausende von Besuchern in seinen Bann zieht. Bekannte Kino- und Theaterproduzenten sowie Choreographen setzten das französische Musical gekonnt in Szene und kreiren ein musikalisches Spektakel der Extraklasse. Bekannte Sänger und Musicaldarsteller lassen das komponierte Theaterstück dann auf der Bühne zum Leben erwecken und singen sich in die Herzen des Publikums. 

In den letzten Jahren rücken vor allem die jungen Zuschauer in den Vordergrund, Familienmusicals wie Sol en Cirque, Kirikou et Karaba, Le Soldat Rose und Dothy et le Magicien d’Oz werden produziert. Le Roi Soleil war der letzte große Erfolg in Frankreich. Cléopâtre erobert momentan Frankreich und von Mozart wird schon gemunkelt. Auf welche französischen Musicals werden wir uns in Zukunft noch freuen dürfen? Wer weiß, wer weiß …

Musicalausbildung

Mit dem zunehmenden Erfolg des Musicals in Frankreich, werden auch mehr und mehr Ausbildungszentren und Schulen für Musicaldarsteller gegründet, um der großen Nachfrage an Ausbildungsplätzen gerecht zu werden und professionellen Nachwuchs zu finden.

Unter Ihnen sind zum Beispiel folgende Ausbildungsstätten:

– das Centre de Formation Vocale gegründet von Richard Cross und in mehreren französischen Städten sowie im Ausland verbreitet
AICOM bietet jedes Jahr rund um die Uhr Praktikumsplätze an und besitzt einen „Junior“-Bereich für besonders junge Talente
– die Ecole de Comedie Musicale – ISAS Rick Odums
– die Ecole du Spectacle die die Académie internationale de la Danse beinhaltet
– die Ecole de Comédie Musicale Paris 3 Arts
– das Centre des Arts Vivants und die l’Ecole Choreia, die eine dreijährige Musicalausbildung anbietet

Kinoproduktionen

In den letzten 10 Jahren erobert das Musical auch zunehmend die Kinoleinwand. Besonders die USA sieht in dem Genre Musical großes Kinopotential. Nach dem Erfolg von Moulin Rouge von Baz Luhrman im Jahr 2001, gibt vor allem Chicago von Rob Marshall den Produzenten und Regisseuren von Hollywood mehr und mehr Vertrauen in den Erfolg solcher Art von Leinwandproduktionen (6 Oscars, darunter die Auszeichnung als bester Film im Jahr 2002). Seit diesem Zeitpunkt sind Kinoproduktionen musikalischer Komödien mehrfach auf der Leinwand zu sehen, auch wenn manche darunter von mehr und andere von weniger Erfolg gekennzeichnet sind, darunter auch: Le Fantôme de l’Opéra (2004), The Producers (2005), Rent (2006), Sweeny Todd, Hairspray, Dreamgirls (2007), Mamma Mia (2008) … In Frankreich selbst feiern die Musical-Kinofilme 8 femmes (2001), Filles perdues, cheveux gras (2002) und Les chansons d’amour (2007) Erfolge. Nun warten die Franzosen auf Fame, Nine und anschließend auf Damn Yankees oder Hairspray 2. Zieht man eine Bilanz aller verfilmten Musicals, so muss man wohl Hugh Jackman recht geben: Das Musical ist zurück!

 

Musical – Begriffe, Fakten und Definitionen

Um in die Welt der französischen Musicals einzutauchen und sie besser zu verstehen, findet Ihr hier kurze Begriffserklärungen zum Thema Musical im Allgemeinen.

Das Musical: amerikanisches Musiktheater, verwendet gesprochene Dialoge, Songs, Tanzeinlagen und Showeffekte, eine von Singspiel, Revue und Operette beeinflusste, etwa um 1900 in den USA entstandene Form der musikalischen Komödie. Die literarische Vorlage ist meist komischen oder sentimentalen Charakters. Französische Musicals beinhalten meist wunderschöne Chansons, Balladen oder imposante Chorgesänge.

Siegfried Schmidt-Joos, Das Musical 1965
„das Musical ist eine in New York entstandene, in der Regel 2-aktige Form populären Musiktheaters, die Elemente des Dramas, der Operette, des Varietés und in Ausnahmefällen- der Oper miteinander verbindet. Es basiert häufig auf literarischen Vorlagen und verwendet die Mittel des amerikanischen Popsongs, der Tanz- und Unterhaltungsmusik und des Jazz, Showszenen, Songs und Balletts sind in die Handlung integriert.“

Harper`s Dictionary of Music, 1973
„Das Musical ist populäre Bühnenunterhaltung, eine Mischung aus Dialogen, Songs, Ensemblenummern und Tänzen. Auf eine in sich schlüssige Handlung wird weniger Wert gelegt als auf eine Musiknummer. Komponisten benutzen mit Vorliebe den jeweils populären Musikstil, um mit ihren Melodien ein zahlenmäßig großes Publikum zu erreichen und zu erfreuen.“

Unterschied von Musical und Operette: 
Die Bühnenproduktion und die „Show“ genießt beim Musical absoluten Vorrang gegenüber der Partitur, gegenüber dem „Werk“ also. Großzügiges Streichen und Umstellen von Szenen der literarischen Vorlage ist nicht weniger üblich als die Praxis, Hits aus anderen Werken des Künstlers einzubauen.
Die Folgen sind nicht selten beträchtliche Abweichungen von Einzelheiten der Originalhandlung.

Wie kommt es zu dem Wort MUSICAL??
Musical ist im englischen wie im amerikanischen Sprachgebrauch ein Adjektiv. Früher hat es dem Publikum genau erklärt, was da musikalisch ver- oder bearbeitet war und dementsprechend auf der Bühne zu sehen war:
Musical Drama, Musical Comedy, Musical Play, Musical Fable.
Doch diese ganzen Detailbezeichnungen waren dem Showgeschäft zu lang. Es verlangt nach kurzen, griffigen und einprägsamen Slogans, um auf sich aufmerksam machen zu können. Dieses war für die Amerikaner kein Problem. Sie waren mit ihrer Sprache generell nicht zimperlich, also schufen sie einfach ein Kürzel. Sie machten aus dem Adjektiv ein Substantiv; der Name MUSICAL war geboren. 

Chanson (frz. Lied): ursprünglich jedes singbare weltliche Gedicht, einstimmig mit Instrumentalbegleitung (Troubadour), seit dem 15. Jh. mehrstimmig. Heute häufig das aktuell pointierende, witzige, aber auch der Melancholie zum Ausdruck verhelfende Lied, vielfach kabarettistisch. Viele französischen Chansons wurden durch Musicals bekannt.